BUND Ortsgruppe Reichenau

Ev. Kirche lehnt PV-Anlage als Geschenk ab

Die Anlage ist einwandfrei und zeigte bis zuletzt keine Ertragseinbußen

Am 25. Mai 2024 wurde die Photovoltaikanlage der BUND Ortsgruppe Reichenau auf dem Dach der Evangelischen Kirche Reichenau abgebaut. 

Dies bedauern wir sehr, denn eigentlich wollten wir der Ev. Kirche die PV-Anlage schenken. Dieses Angebot wurde mehrfach abgelehnt, obwohl die Anlage voll funktionstüchtig ist und wir auch die Zusicherung für den Abbau übernommen haben, wenn die Anlage eines Tages nicht mehr leistungsfähig sein sollte.

Die endgültige Aufforderung zum Abbau bis spätestens 31.05.24 erhielten wir von Pfarrerin Wendlandt am 28.02.2024.  Ansonsten würden uns 3450,- Euro netto in Rechnung gestellt, was auch die Verschrottung der Anlage beinhaltet hätte.

Der erste Teil der Anlage mit 2,2 kWp wurde im Jahr 2000 errichtet. Die Erweiterung auf 11,226 kWp erfolgte im Jahr 2001. Die Finanzierung erfolgte durch Die BUND-Ortsgruppe Reichenau und sechs Anteilseigner. Die Anlage produzierte seit ihrer Errichtung ca. 245.000 kWh Strom, der vollständig ins Netz eingespeist wurde. In diesem Zeitraum wurden dadurch über 130.000 kg CO2 eingespart (540 g CO2 pro kWh). 

Die Anlage hat bis zu ihrem Abbau keine altersbedingte Minderung ihrer Leistung (durchschnittlich ca.10.700 kWh/a) gezeigt. Im Gegenteil – im Jahr 2022 wurde der höchste Ertrag seit Bestehen der Anlage erzielt (s. Übersicht Erträge). Es ist davon auszugehen, dass die Anlage mindestens weitere 10 Jahre eine gute Leistung erbringt.

Die BUND Gruppe Reichenau beschloss schon Anfang 2021, die gesamte Anlage der Evangelischen Kirchengemeinde zu schenken und schlug der Kirche vor, auf Überschuss-Einspeisung umzustellen, um den erzeugten Strom selbst zu nutzen. Auf diese Weise hätte die Evangelische Kirche den erzeugten Ökostrom kostenlos nutzen können und hätte zudem für den überschüssigen, eingespeisten Strom eine Vergütung erhalten.

Alle unsere Bemühungen seit Anfang 2021, die Anlage der evangelischen Kirchengemeinde zur Eigennutzung zu überlassen, wurden stets strikt abgelehnt. Auch die Dokumentation der Leistungsfähigkeit der Anlage hatte keine Wirkung. Vielmehr wurde seit 2021 eine Dachnutzungsgebühr von 200 € pro Jahr erhoben.

Nun wird ein BUND-Mitglied und Anteilseigner die Anlage übernehmen und auf seinem Werkstattgebäude außerhalb der Gemeinde installieren. Der Abbau erfolgte durch die Firma rmsolar Reichenau und wurde unterstützt durch einige BUND-HelferInnen. Die Finanzierung des Abbaus erfolgt durch eine hierfür gebildete Rücklage.

Erfreulicherweise muss durch diese Lösung unsere PV-Anlage nicht verschrottet werden und erhält ein zweites Leben.

In unserer Mitgliederversammlung im Mai wurde beschlossen, auf eine vorzeitige Information der Öffentlichkeit zu verzichten, um am 25.05.24 einen möglichst störungsfreien Abbau der PV-Anlage zu gewährleisten.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die die Errichtung der PV-Anlage ermöglicht und ihren Betrieb unterstützt haben – insbesondere bei Erwin Betker und Heinz Meel.

Der Abbau begann schon um 8:00 am Morgen, als das Gerüst aufgestellt wurde.

 

Kurz nach Mittag waren die Paneele alle entfernt und gut verpackt auf einen Anhänger geladen. Die Helfer auf dem Dach waren unglaublich fleissig. Was jetzt noch blieb war es, die Lattung zu entfernen, das Dach zu säubern und an den Befestigungsstellen wieder herzurichten. Um 15:00 war auch das alles erledigt. Normalerweise kann man an Ende eines Arbeitseinsatzen stolz auf das Geleistete sein. Da wir aber hier eine Anlage "in voller Blüte" abbauen mussten, war die Stimmung sehr gedrückt.

Projektübersicht und technische Daten

Erträge über die bisherige Lebensdauer

Wie man an diesem Diagramm sehen kann, ist die Anlage noch voll funktionsfähig. Eine Verschrottung dieser Anlage wäre ein ökologisches Desaster.

Einweihung

2001 war eine echte Aufbruchstimmung zu spüren, alle zusammen wollten etwas Gutes für Umwelt und Natur auf den Weg zu bringen. Um so schmerzhafter ist das abrupte Ende dieses Projekts auf der Reichenau, auch wenn die Verschrottung und damit Verschwendung wertvoller Resourcen abgewendet werden konnte.